Gefahren beim Sprühen

Beim illegalen Sprühen und Scratchen (Einritzen von "TAGS" in Glasscheiben) riskieren die zumeist jungen Männer nicht nur, dass sie straf- und zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Auch die unmittelbare Gesundheit ist gefährdet.

Im Zubehörhandel für Graffiti werden Atemschutzmasken angeboten, dies nicht ohne Grund, denn die Dämpfe aus den Sprühdosen sind gesundheitsschädlich.

In letzter Zeit ist Scratchen in der Variante des Ätzens mit Säure bekannt geworden. Das hantieren mit Säure ist schon im alltäglichen Berufsleben, auch mit den entsprechenden Sicherheitsrichtlinien der Berufsgenossenschaften und bei geübten Handwerkern, nicht ohne negative gesundheitliche Folgen geblieben.

Oft genug setzen Sprayer bei Sprühaktionen auf Brücken und Bahnanlagen ihre Gesundheit aufs Spiel. Aber auch eine Flucht aus Angst vor Entdeckung geschieht nicht überlegt sondern aus einem instinktiven Impuls heraus. Dies kann in der Aufregung zu einem unüberlegten Überqueren von Bahnbetriebsgleisen führen in denen Züge fahren, Waggons rollen und Diesellokomotiven rangieren. Hier kann es zu tödlichen Unfällen oder Abtrennung von Gliedmaßen führen.

Für viele Eltern sollte daher das Thema Graffiti Anlass zur Sorge sein, wenn sie vermuten müssen, dass ihr Kind zum Sprayen von illegaler Graffiti neigt.

16-Jähriger stirbt beim Sprayen durch Stromschlag

Thema: Neues aus Sachsen Anhalt | Geschrieben am 03.12.2004 08:37

Ein 16-Jähriger ist auf dem Bahnhof Burg bei Magdeburg von einem Stromschlag tödlich verletzt worden.

Gemeinsam mit einem 17-Jährigen war der Jugendliche am Mittwochabend auf einen abgestellten Güterwaggon geklettert, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Die Jugendlichen wollten auf dem Bahngelände Graffiti sprayen. Auf dem Waggon kam der 16-Jährige in die Nähe der 15.000-Volt-Oberleitung. Die Spannung sprang in den Körper über. Der Jugendliche starb noch am Unfallort. Der 17-Jährige verblitzte sich die Augen, erlitt einen Schock und wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Zugverkehr zwischen Magdeburg und Berlin wurde für zwei Stunden unterbrochen.

Burg (ddp-lsa)

(Quelle: http://www.anhaltweb.de)


Bahnanlagen

stellen ein lebensgefährliches Risiko dar, vor allem für Personen, die keine Erfahrungen mit den besonderen Gefahrenpunkten besitzen.

Die Annahme, dass der Schienenverkehr dem Straßenverkehr ähnelt, ist grundsätzlich falsch!

  • Züge fahren auf zweigleisigen Strecken nicht unbedingt auf der rechten Seite, wie im Straßenverkehr. Das hängt letztlich von den betrieblichen Bedürfnissen der Bahn ab, die durch außerplanmäßige Ereignisse nicht immer gleich sind.
  • Personen, die durch das unbefugte Betreten von Gleisanlagen eine Schnellbremsung eines Zuges verursachen, können, wenn es zu Personen- oder Sachschäden kommt, haftbar gemacht werden.
  • Durch unterschiedliche Weichenführungen ist der Fahrweg eines Zuges oder einer Rangierfahrt nicht absehbar.
  • Durch starken Wind oder eine Schneedecke auf den Gleisen werden Fahrgeräusche von Zügen oft erst zu spät wahrgenommen. Auf Schnellfahrstrecken werden Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h gefahren.
  • Schienen und Eisenbahnschwellen sind äußerst rutschig und werden zur gefährlichen Stolperfalle. Wer mit dem Kopf auf eine Schiene schlägt, kann nicht nur verletzt werden, sondern auch das Bewusstsein verlieren.
  • Der Lokführer kann nicht ausweichen!!!
  • Der Bremsweg eines Zuges oder einer Rangierabteilung ist erheblich länger als im Straßenverkehr durch die erheblich größeren Gewichte (ein Güterwagen kann bis zu 120 Tonnen wiegen).
  • Der Sog eines vorbeifahrenden Zuges kann Personen unter den Zug reißen. Dies gilt insbesondere im Tunnel!
  • Eine Weiche wird bei der Umstellung einen darin befindlichen Fuß quetschen und bis zur erneuten Umstellung einklemmen. Dadurch wird das Flüchten vor dem einfahrenden Zug unmöglich.
  • Wer die Sicherheitsabstände bei abgestellten Zügen nicht kennt, läuft Gefahr durch Rangierbewegungen von einem Wagen erfasst zu werden. Das Ansetzen einer Lok erfolgt zum Teil in Entfernungen von über 100m und außerhalb des Sichtfeldes.
  • Die Oberleitung der Bahn steht unter einer Spannung von 15 000 Volt. Bei einer Annäherung von weniger als 1,5 m, kann der Strom "überspringen". Auch wenn Gegenstände berührt werden, die Kontakt zur Oberleitung haben, kann der Strom übergeleitet werden. Derartige Unfälle enden meist tödlich.
  • Der Bremsweg eines Zuges, der 100 km/h fährt, kann bis zu 1000 m betragen. Das kann zur tückischen Falle für jeden werden, der stürzt oder die Annäherung des Zuges nicht rechtzeitig bemerkt.
  • In verschiedenen Städten wird der Strom über eine Stromschiene geführt, die sich am Boden unmittelbar am Gleisbett befindet. Die Stromabnehmer am Eisenbahnwaggon befinden sich auf Kniehöhe und können bei Berührung lebensgefährliche Restspannungen übertragen. Die Aufzählung der Gefahrenpunkte ist nicht abschließend. Aufgrund dieser Gefahren ist das Betreten von Bahnanlagen für Unbefugte nicht gestattet und ist je nach den örtlichen Umständen strafbar oder stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Wer illegal sprüht, steht unter Stress und konzentriert sich auf eine mögliche Entdeckung der Straftat und weniger auf die Gefahren des Schienenverkehrs, schon gar nicht bei der Flucht. Deswegen kam es auch schon auf Anlagen der Deutschen Bahn AG zu tödlichen Unfällen, deren Opfer Graffiti-Sprayer waren (siehe oben).